Epidemie-Forschung in Europa

Eine neue Internetseite der Kommission informiert über Forschungsprojekte und Initiativen zur Bekämpfung der Verbreitung des Corona-Virus und zur Vorbereitung auf mögliche weitere Epidemien.

Die Website stellt zum einen Informationen über aktuelle Aktivitäten mit unmittelbarem Bezug zum Ausbruch des Corona-Virus zur Verfügung. Zum anderen gibt sie einen Überblick über Projekte, die bereits vor der aktuellen Corona-Epidemie im Bereich „Preparedness“ und Reaktion auf Epidemien umgesetzt worden sind. Sie stellt spezifische Projekte im Rahmen der Initiative innovative Medizin (IMI) sowie die Partnerschaft Europas und der Entwicklungsländer im Bereich klinischer Studien (EDCTP) dar. Die IMI hatte Anfang März 2020 weitere spezifische Projekte ausgeschrieben; Einreichungsfrist ist der 31. März 2020.

Die Kommission zeigt mit dieser Zusammenstellung auch die hohe Bedeutung auf, die Forschung für die Beendigung der Bedrohung durch das Virus SARS-CoV-2 hat. Auch Forschungskommissarin Mariya Gabriel hatte die Rolle der Forschung in der vergangenen Woche in einem Exklusiv-Interview mit der Online-Nachrichtenseite des Netzwerks „ScienceBusiness“ herausgestellt: „Forschung und Innovation sind entscheidend für die Bewältigung dieser globalen Krise. Nur mit Hilfe von F&I können wir das gesamte Spektrum der Bedürfnisse abdecken.“

Der Abgeordnete des Parlaments und Berichterstatter für das EU-Forschungsrahmenprogramm, Christian Ehler (EVP/DE), sprach in einer Pressemitteilung am 20. März 2020 Lob für die Maßnahmen der Kommission aus: „Die Kommission hat sehr schnell eine spezielle Aufforderung zur Interessenbekundung im Zusammenhang mit dem Forschungsprogramm ‚Horizon 2020‘ veröffentlicht und einschlägige Interessenvertreter im Rahmen der öffentlich-privaten Partnerschaft der ‚Initiative Innovative Arzneimittel‘ einbezogen." Ehler wiederholte aber auch das Petitum des Parlaments, die Mittel für das zukünftige Forschungsrahmenprogramm Horizont Europa deutlich aufzustocken: „Wenn diese Krise vorbei ist, müssen wir uns sofort auf die nächste vorbereiten. Das bedeutet, mehr in die Forschung zu investieren und sicherzustellen, dass Programme wie ‚Horizon Europe‘ nicht als bloße Verhandlungsmasse in kurzfristigen Streitigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten missbraucht werden."

Auch der Rat hatte sich in der vergangenen Woche mit dem Thema Forschung befasst: Die Förderung von Forschung war eines der fünf Themen, auf die sich der Sondergipfel der EU-Regierungsspitzen am 17. März 2020 konzentriert hatte. Per Videokonferenz hatte der Rat erneut über die Maßnahmen der EU zur Bewältigung des COVID-19-Ausbruchs beraten. Er betonte dabei die Bedeutung des Informationsaustauschs und sagte Unterstützung für europäische Unternehmen bei der Entwicklung eines Impfstoffs zu.

Mit Bezug auf dieses Mandat hatte die Kommission am gleichen Tag noch einen Beraterstab zu COVID-19 eingesetzt: Die Epidemiologen und Virologen aus verschiedenen Mitgliedstaaten sollen Leitlinien für wissenschaftlich fundierte, koordinierte Maßnahmen im Bereich des Risikomanagements erarbeiten. Aus Deutschland gehören dem Expertenrat Professor Dr. Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité, und Professor Dr. Lothar H. Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), an.

Bereits am Vortag des Sondergipfels hatte die Kommission dem deutschen Unternehmen CureVac aus Tübingen eine Förderung in Höhe von bis zu 80 Mio. Euro angeboten, um die Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs gegen das Coronavirus zu beschleunigen. Die Unterstützung soll in Form einer EU-Garantie im Rahmen von Horizont 2020 für ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) erfolgen.

Nicht auszuschließen ist, dass das Unterstützungsangebot der Kommission im Zusammenhang mit Berichten zu sehen ist, denen zufolge US-Präsident Trump dem Unternehmen finanzielle Unterstützung angeboten habe im Austausch gegen ein exklusives Recht an einem möglichen Impf-Präparat. Nach Presseberichten haben das Unternehmen, die US-Botschaft und Mitglieder der Bundesregierung zwischenzeitlich verneint, dass es ein solches Übernahmeangebot gegeben hat. Auch ein rheinland-pfälzisches Unternehmen hatte unlängst bekannt gegeben, an der Entwicklung eines Impfstoffs zu arbeiten. Dem Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech wurde bereits in einem anderen Zusammenhang Ende vergangenen Jahres eine EU-Förderung in Höhe von 50 Mio. Euro gewährt. (MK)

https://ec.europa.eu/info/research-and-innovation/research-area/health-research-and-innovation/coronavirus-research_en

https://europa.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/News/detail/forschungsmittel-aufgestockt-und-projekte-ausgewaehlt/

https://europa.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/News/detail/coronavirus-1/

https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/research_and_innovation/research_by_area/documents/ec_rtd_cv-projects-1.pdf

https://sciencebusiness.net/news/gabriel-research-and-innovation-critical-tackle-global-crisis

https://www.consilium.europa.eu/de/meetings/european-council/2020/03/17/

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/IP_20_474&pk_campaign

https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_20_481

https://europa.rlp.de/de/aktuelles/detail/news/News/detail/kommission-setzt-wissenschaftliches-beratergremium-ein/

https://ec.europa.eu/germany/news/20191218-biontech-efsi_de

https://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/priorities/eu-antwort-auf-das-coronavirus/20200319IPR75304/covid-19-forschungsforderung-begrusst-eu-muss-in-zukunft-besser-gerustet-sein