Erneuerbare Energien und Biodiversität

Am 19. September 2018 veranstaltete die Kommission für Umwelt, Klimawandel und Energie (ENVE) des Ausschusses der Regionen (AdR) zusammen mit Europäischen Kommission eine Konferenz über die Vereinbarkeit erneuerbarer Energien mit der EU-Naturgesetzgebung. An dem Treffen nahmen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Regionen, eine Beauftragte der Kommission sowie Interessensvertreter aus der Wirtschaft, von Verbänden und NGOs teil. Inhaltlich setzten sich die Teilnehmenden vor allem mit zwei von der Europäischen Kommission in diesem Jahr veröffentlichten Leitfäden auseinander.

Der „Leitfaden Energietransportinfrastrukturen und die Naturschutzvorschriften der EU“ vom 18. Juni 2018 gibt Handlungsvorschläge und Richtlinien zum umweltschonenden Ausbau von Energietransportnetzwerken. Insbesondere befasst sich das Dokument mit dem Ausbau von Stromleitungen. Durch eine strategische Planung und eine angebrachte Auswertung von Daten zu Flora und Fauna können so Schäden für die Umwelt beim Bau neuer Oberleitungen reduziert werden. Hierzu zeigten Unternehmen und NGOs, beispielsweise der WWF, wie durch einfache Maßnahmen wie Anlegung von Teichen oder niedrigwachsende Pflanzen die Biodiversität unter Stromleitungen gefördert werden kann. Gleichzeitig ist so auch eine Verringerung der Wartungskosten erzielbar, da aufwendige Rodungen unter den Leitungen entfallen. Solche Maßnahmen werden auch durch das EU-LIFE-Programm gefördert. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf den Schutz so genannter „Natura 2000“-Gebiete gelegt. Diese Gebiete sind wichtig zum Erhalt einer europäischen Biodiversität und nach der EU-Habitatrichtlinie und Vogelschutzrichtlinie geschützt.

Die zweite Richtlinie, der „Leitfaden zu den Anforderungen für Wasserkraftwerke im Rahmen EU-Naturschutzgesetzgebung“ vom 13. September 2018, richtet sich vor allem an die Betreiber und Planer von Wasserkraftwerken. Sie versucht den schlechten Zustand der europäischen Süßwasservorkommen auszugleichen. Nur etwa 40 Prozent der Flüsse innerhalb der EU befinden sich laut Experten des WWF in einem guten Zustand. Mit Maßnahmen wie der Reaktivierung trockengelegter Seitenarme, dem Bau von Fischtreppen oder Sedimentverlagerungen zeigt der Leitfaden Möglichkeiten auf, den Druck auf die Tier- und Pflanzenwelt in Fließgewässern zu reduzieren. Durch vorrausschauende Planung und die Berücksichtigung von kumulativen Auswirkungen kann der Schaden für die Natur verringert oder in Teilen ausgeglichen werden.

Die Europäische Kommission plant für das Jahr 2019 die Verabschiedung einer weiteren Richtlinie zur Vereinbarkeit von Windkraftanlagen mit der EU-Naturschutzgesetzgebung. Hierbei sollen vor allem der Schutz von Wildvögeln und Meeressäugern beim Bau von Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Durch die Methode des „sensitive mapping“ kann überprüft werden, in welchen Küstenregionen der Einfluss von Windkraftanlagen auf das Flug-, Wander-, und Nistverhalten von Vögeln nicht zu groß wäre. In den Niederlanden konnte der Artenschutz beispielweise durch die Reduzierung der Drehgeschwindigkeit zu bestimmten Migrationszeiten und sinnvolle Platzierung der Windkraftanlagen verbessert werden. Hierzu verlassen sich lokale und regionale Verantwortliche in der Planung vor allem auf wissenschaftliche Daten. Um einen Schutz der Biodiversität zu gewährleisten, ist die weitere Förderung von wissenschaftlichen Studien und Datenerhebungen deshalb unabdingbar.

Der Bau neuer Energietransportwege sowie der Ausbau von Wasser- und Windkraft sind wichtige Meilensteine, um den Klimawandel zu stoppen und fossile Energiequelle schrittweise zu ersetzten. Es ist jedoch auch wichtig, dass diese erneuerbaren Energiekraftwerke so geplant, gebaut und betrieben werden, dass keine großen Schäden an der Umwelt entstehen. Humberto Delgado Rosa vom Generaldirektorat für Klimaschutz der Kommission (ENV) betonte, dass eine wirkliche nachhaltige Entwicklung nur in einer ganzheitlichen Verbindung möglich ist. Die Bereiche erneuerbare Energien, Wasser-, Luft-, und Bodenqualität sowie der Schutz von Biodiversität müssen gemeinsam behandelt werden.

Die letztendliche Entscheidung, ob neue Bauprojekte, Wartungsarbeiten oder Sanierungen im Bereich der erneuerbaren Energien mit der EU-Naturgesetzgebung vereinbar sind, obliegt den Nationalstaaten. Paula Abreu Marques aus dem Generaldirektorat für Energie (ENER) der Kommission betonte hierbei auch die große Bedeutung von internationaler und interregionaler Zusammenarbeit. Nur durch enge Kooperationen wird es möglich sein, den von der EU angestrebten Anteil an erneuerbaren Energien von 32 Prozent zum Jahr 2030 zu erreichen, ohne durch die Biodiversität Europas zu gefährden. (ML)

https://publications.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/9d8c1c3d-b7c7-11e8-99ee-01aa75ed71a1/language-de

https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=OJ%3AC%3A2018%3A213%3ATOC