Milliardenschwere Einnahmeverluste durch weltweiten Handel mit gefälschten Arzneimitteln

Der Markt für medizinische Produkte gerät infolge der COVID-19-Krise unter Druck. Das Amt für geistiges Eigentum der EU (EUIPO) hat am 23. März 2020 einen Bericht veröffentlicht, der zeigt, dass – auch unabhängig von der derzeitigen Gesundheitskrise – gefälschte Arzneimittel eine enorme weltweite Belastung darstellen.

Der gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte Bericht deckt den Zeitraum der Jahre 2014 bis 2016 ab. In dieser Zeit ist der Anteil des illegalen Handels mit pharmazeutischer Produktpiraterie am Welthandel von 2,5 Prozent im Jahr 2013 auf 3,3 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Die Globalisierung eröffnet kriminellen Netzwerken neue Möglichkeiten, Umfang und Ausmaß des illegalen Handels auszuweiten.

Gefälschte Arzneimittel können eine direkte Bedrohung für Gesundheit und Leben darstellen. Gefälschte Antibiotika und Schmerzmittel gehören zu den am häufigsten beschlagnahmten Produkten. Aber auch andere Arzneimittel sind betroffen, wie etwa solche zur Behandlung von Krebs, Diabetes, Malaria, HIV und Herzkrankheiten. Die nachgeahmte Ware wurde gemessen nach ihrem Wert in den Jahren 2011 bis 2013 noch vornehmlich auf dem Seeweg transportiert, wobei sich in den Jahren 2014 bis 2016 zunehmend Kurierdienste und die reguläre Post als übliche Wege für den Handel mit gefälschten Arzneimitteln herauskristallisiert haben. 96 Prozent aller weltweit durchgeführten Zollbeschlagnahmungen im genannten Zeitraum betrafen gefälschte Arzneimittel, die via Post oder Kurierlieferung transportiert wurden.

Im Jahr 2016 erreichte der geschätzte Gesamtwert der weltweit vermarkteten gefälschten Produkte bis zu 4,4 Mrd. US-Dollar, was 0,84 Prozent des Welthandels mit Arzneimitteln ausmacht. Der jüngste Lagebericht der EUIPO über Rechtsverstöße des geistigen Eigentums aus dem Jahr 2019 enthält die Schätzung, dass die europäische Pharmaindustrie zwischen 2012 und 2016 rund 9,6 Mrd. Euro an Umsatz durch Fälschungen verloren hat, was 3,9 Prozent ihres Gesamtumsatzes entspricht. (JC)

https://euipo.europa.eu/tunnel-web/secure/webdav/guest/document_library/observatory/documents/reports/Trade_in_Counterfeit_Pharmaceutical_Products/Trade_in_Counterfeit_Pharmaceutical_Products_en.pdf