Renovierungswelle: Kommission will Rate der Gebäudesanierungen verdoppeln

Als Teil des Europäischen Green Deal hat die Europäische Kommission am 14. Oktober 2020 ihre Strategie für eine Renovierungswelle für Klimaneutralität und Markterholung (COM(2020) 662) vorgestellt. Damit soll die jährliche Gebäuderenovierungsrate mindestens verdoppelt werden. 35 Mio. Gebäude sollen bis 2030 renoviert werden und 160.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Strategie sieht eine Steigerung der Energieeffizienz der Gebäude vor. Zugleich soll die Renovierung bezahlbar sein, die Kreislaufwirtschaft und den Gesundheitsschutz fördern.

Im Rahmen der Überprüfung der Richtlinie zur Gebäudeenergieeffizienz möchte die Kommission 2021 eine verstärkte Verpflichtung zum Energieausweis und Mindestenergiestandards sowie erweiterte Anforderungen für öffentliche Gebäude inklusive Vorgaben für die öffentliche Auftragsvergabe vorschlagen.

Die Renovierungswelle soll auch beim Kampf gegen Energiearmut zum Tragen kommen. Die Kommission prüft, wie Erträge aus dem Europäischen Emissionshandel (ETS) zur Finanzierung der Energieeffizienz bei einkommensschwachen Haushalten genutzt werden können. Mit standardisierten nachhaltigen Industrielösungen sollen die Geschwindigkeit gesteigert, die Kosten gesenkt und die Kohlenstoffemissionen im Produktlebenszyklus durch die Verwendung von Holz gesenkt werden. Für die eigene Energieproduktion sollen Anreize und Rechte zur Einspeisung von Erneuerbarer Energie und Abwärme gesetzt werden – etwa durch einheitliche Standards für integrierte Photovoltaik-Anlagen und eine Revision der Verordnung zu harmonisierten Bedingungen für die Vermarktung von Bauprodukten. Die für 80 Prozent des Gebäudeenergieverbrauchs verantwortliche Heizung und Kühlung soll im Zuge der Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie bis Juni 2021 dekarbonisiert werden. Ab 2021 ist die Vorlage einer langfristigen Renovierungsstrategie Voraussetzung für die Mitgliedstaaten, um Kohäsionsmittel zu erhalten.

Um die Treibhausgasemissionen der EU bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, müssen die Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich um 60 Prozent gesenkt werden, ihr Energieverbrauch um 14 Prozent. Dazu sind nach Schätzung der Kommission jährliche Investitionen von 285 Mrd. Euro in der EU notwendig. Mit bereits bekannten öffentlichen Mitteln wie Life sollen private Investitionen mobilisiert werden. Unter den öffentlichen Mitteln sieht die Kommission besonders Potenzial in der 672,5 Mrd. Euro umfassenden Resilienzfaszilität der Corona-Wiederaufbauhilfen, von der 37 Prozent für klimarelevante Ausgaben verwendet werden müssen.

Gebäude sind verantwortlich für zwei Fünftel des Energieverbrauchs der EU und für 36 Prozent der Kohlenstoffemissionen. Derzeit liegt die jährliche energetische Gebäudesanierungsrate bei unter einem Prozent. Mit einem neuen europäischen Bauhaus sollen Nachhaltigkeit und Ästhetik verbunden und eine lebenswerte Umgebung in der gesamten EU gefördert werden. (TS)

https://ec.europa.eu/germany/news/20201014-renovierungswelle_de