Resilient in der Krise – Menschen und Systeme in der Pandemie

„Wie wichtig Resilienz ist haben wir in der Pandemie hautnah erfahren. Es geht um psychische und ökonomische Resilienz, Cyber-Resilienz, aber auch die Resilienz von Ökosystemen. Auch Europa möchte resilienter werden. Aber was genau bedeutet das? Meike Rosenplänter geht dieser Frage mit ihren Gesprächspartnern in der 11. Folge des Drahtberichts - dem Podcast, der über Rheinland-Pfalz und seine Rolle in Europa und der Welt informiert - auf den Grund.

„Was aber ist Resilienz, dies erläutert Professor Klaus Lieb, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Leibniz-Instituts für Resilienzforschung und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz: „Der Begriff ‚resilient‘ bedeutet zurückfedern, zurückprallen. Das beschreibt ganz gut, was damit gemeint ist – ein dynamisches Reagieren auf Stress.“ Dabei können nicht nur Menschen hinsichtlich ihrer psychischen Verfassung resilient sein oder dies erlernen, sondern beispielsweise auch ein Gesundheitssystem in der gegenwärtigen Pandemie, indem es starke punktuelle Belastungen bewältigt.

Entsprechend sind nicht nur Bund und Länder, sondern ganz Europa interessiert, Systeme so aufzustellen, dass sie solchen „Stresstests“ Stand halten. Stefan Schreck, Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU Kommission, erklärt mit Blick auf die Gesundheitspolitik: „Die Kommission hat mit dem Vorschlag zur Gesundheits-Union eine Reihe von Vorschlägen gemacht, die uns einer resilienten EU näherbringen sollen. Es handelt sich um eine stärkere Koordinierung auf EU-Ebene bei grenzüberschreitenden Gesundheitsbedrohungen und um [eine] leistungsfähigere Überwachung, wissenschaftliche Analysen und Orientierungshilfe im Vorfeld und Verlauf von Krisen.“ So habe die Kommission beispielsweise hinsichtlich der Ausbreitung von Virus-Mutationen Sofortmaßnahmen wie den HERA Incubator auf den Weg gebracht. Dabei kooperieren Forscher, Biotech-Unternehmen, Hersteller und Behörden in der EU und weltweit. Ziele seien eine schnellere Erkennung von Varianten durch mehr und besser koordinierte Sequenzierung, die Schaffung von Anreizen für die Entwicklung neuer Impfstoffe, eine Beschleunigung des Zulassungsverfahrens und die Erweiterung von Produktionskapazitäten. Die Diversifikation der Produktions- und Lieferketten sei dabei wichtig für die Sicherstellung von Vorräten strategischer Güter sowie die Förderung von Produktion und Investitionen in Europa.

Rheinland-Pfalz setzt auf Schwerpunktthemen wie Digitalisierung, flächendeckenden Breitbandausbau, Sicherheitsinfrastrukturen, aber auch eine gute Organisation der Behörden im Land. Innenstaatssekretär Randolf Stich betont, „Resilienz ist das Ergebnis eines ganzen Bündels an Faktoren, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Hierzu gehören eine gute Dateninfrastruktur, aber auch flexible und agile Prozesse in der Behördenorganisation, ebenso wie Mitarbeitende, die durch gute Personalentwicklung auf solche Prozesse eingestellt sind.“ Dabei genieße die IT-Sicherheit in Rheinland-Pfalz einen ganz besonderen Stellenwert, schließlich habe man als Land die Hoheit über Daten der Bürgerinnen und Bürger. „Resilienz ist für die Verwaltung ein Kernthema. Die Verwaltung hat die Notwendigkeit, sich auf gesellschaftliche Veränderungen einzustellen“, so Stich. Resiliente Infrastrukturen seien aber ganz klar auch ein Standortfaktor, der junge Familien und junge Unternehmen in den ländlichen Raum bringe.

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